Ende 2025 entstand die Idee, dass Melina und ich eine gemeinsame Tour mit dem Motorrad machen. Völlig unklar war, wohin es gehen sollte und wann. Glücklicherweise war in der Pfingstwoche an der RWTH Aachen Exkursionswoche und da Aachen garnicht so weit von England weg ist und man dort sogar die Menschen versteht, reifte der Plan heran. Die Fährfahrt haben wir über mr ferry gebucht. Dort konnte man gemeinsam zwei Personen mit zwei Motorrädern buchen und wir hatten 2025 bei der Tour nach Sardinien gute Erfahrungen gemacht. Hin- und Rückfahrt hat für uns beide ca. 250€ gekostet.
Am Freitag nach der Arbeit machte ich mich also auf den Weg nach Aachen. Die gleiche Strecke fuhr ich schonmal am Karfreitag, als ich Melina ihr Motorrad aus dem Winterschlaf vorbeibrachte. Damals war es einfach nur kalt und ich war viereinhalb Stunden unterwegs, wobei ich viel Zeit mit Aufwärmen verbringen musste. Dieses Mal war leider die Autobahn bis Rheinböllen recht voll, danach ging es aber mit der KTM locker durch Hunsrück und Eifel. Kurze Halts für Abendbrot und zur Reinigung des Visiers waren notwendig, aber nach guten vier Stunden kam ich an. Nun ging es ans Rechnen für den Folgetag: Abfahrt der Fähre in Calais um 16 Uhr, eine Stunde vorher sollten wir einchecken. Von Aachen aus sind es 360km und es soll sehr warm werden. Also Start um 9:30 Uhr.
Tag 1
Das erste Stück lief auch noch ganz gut aber um Brüssel herum staute es sich. Da machte es keinen Spass mehr und der Stau hatte den geplanten Zeitpuffer schnell aufgefressen.


Die Überfahrt dauerte anderthalb Stunden, dann kam Dover in Sicht

Nun ging’s los. Es wurde Ernst: LINKSVERKEHR. Die KTM wurde auf Meilen umgestellt, das Garmin Zumo XT auch. Melina hatte eine schicke Umrechnungstabelle an die Innenseite der Scheibe geklebt.

Ich hatte 100km bis zum ersten Hotel mit kurviger.de im Superkurvig-Modus geplant. Das war keine gute Idee. In Südengland gibt es viele sehr enge Straßen. Die sind ca. 2m breit und haben rechts und links 2m hohe Hecken. In der Mitte ist entweder ein rutschiger Streifen oder der Streifen ist schon mit Unkraut bewachsen. Auf solchen Straßen kommt man nur recht langsam vorran. 20 Meilen, also 32km/h sind dort oft eine vernünftige Geschwindigkeit. So sind wir dann irgendwann mal auf Google Navigation umgestiegen und haben den schnellsten Weg zum Hotel genommen (Pevensey Bay, Pevensey, BN24 6EJ, Großbritannien für ca. 115€). Schnell die Motorradklamotten aus und ab zum Strand. Das Hotel war nett, Frühstück gab es im Diner nebenan.

Tag 2
Die Tour für Tag 2 hatte ich auch schon vorher geplant. Wir wollten uns Brighton anschauen, aber auch Portsmouth, einen Abstecher zu einen Aussichtsplatz machen und dann in Lytchett Matravers unsere Ferienwohnung beziehen. Das sollten 280km werden. Also erstmal zum Pier nach Brighton





Das ist ein großer Rummelplatz und kostet sogar noch nur zum Ansehen 1 Pfund. Noch ein Eis am Strand und dann ging es weiter. Der Verkehr war heute anstrengend. Vielleicht lag es daran, dass Pfingstsonntag war. Alle Städte waren voll, aber auch die kleinen und größeren Straßen unterwegs. Da unser nächsten Quartier bereits gebucht war, verbrachten wir viel Zeit damit, überhaupt die Strecke zurückzulegen. Allerdings waren schon noch ein paar Abstecher drin.


Unsere heutige Unterkunft war ein kleine Ferienhütte in Higher Bulbury Farm, Dolmans Hill, Lytchett Matravers, BH16 6HP, Großbritannien. Sehr empfehlenswert.
Tag 3
Nachdem wir gestern lernen mussten, dass wir die geschätzte Durchschnittsgeschwindigkeit auf diesen Straßen nicht erreichen, war der heutige Plan kürzer, nur 240km. An der einzigen größeren Stadt auf dem Weg, Exeter, sollte es großzügig auf Schnellstraßen vorbei gehen. kurviger.de hatten wir mit der höchsten Vermeidung für kleine Straßen eingestellt. Anfangs funktionierte das auch ganz gut aber je näher wir der Küste kamen, um so verstopfter wurden die Straßen. Unterwegs nochmal ein Stop am Strand.

Dann ging es zum Highlight des Tages, dem Dartmoor. Hier mussten wir einen kleinen Umweg zum Tanken machen, das Tankstellennetz dort ist sehr dünn. Also schnell Herrn Google fragen -> 10 Meilen entfernt. Dummerweise war die Straße dorthin so schlecht, dass wir eine halbe Stunde gebraucht haben. Dann aber ab Richtung Dartmoor. Das kann ich jedem empfehlen. Dort wachsen neben der Straßen mal keine 2m hohen Hecken und schon macht das Fahren Spaß. Es gibt freilaufende Ponys, Kühe und Schafe zu sehen. Immer mal wieder fährt man über ein Viehgitter. Landschaftlich die schönste Gegend unserer Reise.


Die letzten Meilen zur heutigen Unterkunft, The Riviera, Paignton, TQ4 5EX, Großbritannien, zogen sich etwas. Paignton ist ausnahmsweise mal eine richtige Stadt und das Riviera ein richtiges Hotel. Schnell duschen und dann gingen wir auf die Suche nach etwas Essbaren. Leider war es da schon nach 21 Uhr und wir hatten nur Glück in einem Dönerladen.
Tag 4
Heute war mal jeder für sich unterwegs. Ich hatte recht flüssig geplante 188km fast bis Landsend vor mir mit zwei Fährfahrten.




Treffpunkt an der nächsten Unterkunft, TR27 6HG Holiday cottage, Hayle, TR27 6HG, Großbritannien. Dieses Mal hatten wir ein ganzes Haus mit drei Schlafzimmern. Da es noch früh am Tag war, haben wir uns auf den Weg gemacht, ein paar Postkarten zu kaufen und dann ab zum Strand. Dieses Mal war es ein richtiger Baywatch Strand. Dort standen drei Pickups zur Rettung von Surfern sowie ein Jetski (man beachte die Wassertemperatur unten auf dem Schild).


Tag 5
Nun gehts auf den Rückweg. Heutiges Ziel: ein kleines B&B in Molland Cross, Highbray, EX36 3EU, Großbritannien, auch wieder nur 180 flüssig zu fahrende Kilometer. Mittagspause bei den Kühen.

Die waren witzig. Haben sich alle ans Gatter gedrängt, um genau zu sehen, was wir so machen. Sobald sich aber einer von uns näherte, sind sie geflüchtet. Unterwegs merkten wir, dass heute ein Extraschlenker möglich war, also haben wir die Route über die hervoragende Eisdiele in Ilfracombe erweitert. Den Berg hoch zur Kapelle am Hafen mussten wir noch erklimmen.




Dann ab zur Unterkunft. Die lag mal wirklich abgeschieden. Im Zimmer hörte man nur die Enten sich streiten oder die Schafe

Tag 6
Heute eine längere Tour, 215km bis nach Andover. Mittlerweile hatten wir es raus, wie man kurviger.de einstellen muss. Autobahnen, aber auch kleine Straßen und unbefestigte Wege vermeiden, leicht kurvig. In der Gegend, in der wir unterwegs waren, hatten viele Straßen eine A-Kennung und waren Schnellstraßen mit Fahrbahntrennung. Man darf dort dann 70 Meilen fahren. Oder aber andere Straßen mit A-Kennung, die meistens zwar zwei Spuren haben, aber manchmal auch nicht. Vor einspurigen Brücken gibt es dann per Ampel gesteuerten Verkehr und oft geht es durch verstopfte Innenstädte. So waren die Straßen recht wechselhaft. Kaffeepause bei Wellington.

Auffällig ist die Größe der Kuchenstücke. Diese hier ist die übliche Größe 🙁
Heutige Unterkunft ist Newbury Lane, Penton Mewsey, SP11 0RN, Großbritannien, ein B&B mit einer sehr netten Vermieterin. Die Unterkunft hatte einen typischen englischen Garten, riesig groß und sehr grün. Abends dann zum ersten Mal in einen Pub.

Tag 7
Der letzte volle Tag in England. Der erste Vorschlag von kurviger.de führte recht nahe an London heran. Da wir mit Brüssel am ersten Tag schon so schlechte Erfahrungen gemacht hatten, habe ich dann chatgpt gefragt, ob es einen sinnvollen Vorschlag hat, der etwas weiter weg von London führt. So wurden dann 264km daraus. Dieses Mal habe ich experimentiert und die Planung sowohl als Track als auch als Route exportiert, sonst bin ich immer nach Tracks gefahren, Melina mit der kurviger.de Handy App. Beim Start zeigte mein Garmin schon 360 Meilen an, oft wurde ich im Kreis geschickt. Das passierte sowohl, wenn ich nach Track als auch nach Route navigieren wollte. Irgendwann haben wir aufgegeben. Melina ist nach google vorneweg gefahren. In Dover haben wir noch unser letztes Bargeld vertankt, schliesslich mussten wir am Folgetag schon um 9:15 Uhr bei der Fähre einchecken und so wollten wir präpariert sein. Unsere heutige Unterkunft war Reach Road, St. Margaret’s-at-Cliffe, Saint Margaretʼs at Cliffe, CT15 6AG, Großbritannien. Wir hatten uns darunter ein größeres Hotel mit Pool vorgestellt. Es entpuppte sich aber als Ferienpark. Die meisten Leute wohnten dort in Mobilehomes. Zusätzlich hatte auch ein paar lieblose Hotelzimmer. Darin war es dann superwarm, nicht sehr angenehm. Frühstück hätte es ab 10 Uhr gegeben und wir hatten uns schon so auf ein Buffet gefreut aber um 10 stehen wir morgen schon in der Fährschlange.

Tag 8
Heute mussten wir mal etwas früher aufstehen, dass wir rechtzeitig unsere Fähre erwischen. Das letzte mal Linksverkehr. Auf der Rückfahrt war deutlich mehr Betrieb als auf der Hinreise.

Leider auch eine andere Fähre. Dieses Mal durften wir erst als letztes auf die Fähre fahren, nachdem schon alle LKW, Wohnmobile und Autos ihren Platz gefunden hatten.

Die Überfahrt war recht ereignislos. Pünktlich um 12:45 Uhr MESZ legte die Fähre in Calais an. Dieses Mal hatten wir einen Weg über Lille geplant, um einen weiten Bogen um Brüssel oder Antwerpen zu machen und so Staus zu umgehen. Die Rechnung ging auch auf.

Gegen 18 Uhr waren wir in Aachen, also noch zwei Autobahnetappen bis nach Hause. Kurze Rast im Brohltal mit Notgummibärchen.

Fazit
Es war ein schöner Urlaub. Der Plan war ja, sich Südengland vom Motorrad aus anzuschauen und das Vorhaben ist aufgegangen. Ausserdem sollte es ein Land sein, in dem man die Sprache der Bewohner versteht und auch das hat bestens funktioniert. Die Menschen, die wir unterwegs getroffen haben, waren alle sehr nett. Oftmal hörten wir Sätze wie: „I like your bikes“.
Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich nochmal nach Südengland fahren würde, mich haben die kleinen Straßen und der Verkehr insgesamt doch abgeschreckt. Vielleicht ist das weiter nördlich besser. Das hatten wir beim Planen der Tagesabschnitte unterschätzt.
Wir hatten eine Ausnahmewoche erwischt, bei der an jedem Tag die Höchsttemperatur von 30° überschritten wurde.
Highlights waren die weißen Klippen von Dover und das Dartmoor.
Die Motorräder haben die Reise gut weggesteckt. Melinas BMW lief wie ein Uhrwerk, da zickte nur der linke Koffer mal herum. Bei der KTM wurde ein Gabelsimmerring undicht. Hier habe ich immer mal das Öl weggewischt, bin aber mit diesem Defekt bis nach Hause gefahren. Dank Garantieverlängerung hat die Reparatur nur 11€ für neues Gabelöl gekostet. Das Schmieren der Kette ohne Hauptständer ist mühsam, ich habe aber Bedenken, dass ein Hauptständer zu viel Schräglagefreiheit kostet. Hier muss ich mir mal eine Lösung überlegen.